Editorial

 

Liebe Freunde, Kollegen, Medienschaffende,

wenn man einen Ausflug an den Rand des Westens von Deutschland macht, an den Niederrhein, vorbei an der Lippe, das Örtchen Hünxe hinter sich lässt und durch die Weiten Marientals fährt, findet sich dort das Haus Esselt – ein altes Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert.

Mit ein bisschen Glück sitzt dort Eva Pankok in ihrem Garten, genießt die Sonne und erzählt aus ihrem langen Leben. Sie ist die Tochter des berühmten Malers Otto Pankok, der vor allem durch seine großformatigen Kohleportraits und Holzschnitte bekannt ist, und dessen gleichnamiges Museum dort ebenfalls zu finden ist. Ein verwunschener Ort, den es zu besuchen lohnt.

Und mit Eva im Garten zu sitzen, dort in der Nähe der Issel, ist ein Vergnügen, denn die Malerin – die meist die Wintermonate an ihrem zweiten Wohnsitz in der Provence verbringt – hält die Erinnerung an ihr Vorbild als Mensch und als Maler, ihren Vater, gerne wach. Auf ihre eigene Weise.

Eure
Silke Vogten und Flora Jörgens

Bild: Eva Pankok, Provence

Eva Pankok – Erinnerungen

Rebellen

Auf die Welt kam im am 14. Juli 1925 – am Jahrestag der französischen Revolution, des Sturms auf die Bastille. Vielleicht kann ich darum nicht strammstehen. Ich bin mit dem was die Menschen tun, oft nicht einverstanden und ständig ein Rebell. Für meine Mutter, die Journalistin Hulda Pankok, und meinen Vater, den Maler Otto Pankok, war Freiheit das Wichtigste in ihrem Leben. Schon mein Vater stand vor mir, der kleinen Neugeborenen, und sagte. »Wir wollen uns versprechen, dass wir nie etwas von dem Kind verlangen.«

Bild: Eva Pankok, Provence

Eva Pankok – Erinnerungen

Provence

Ich habe mein Leben lang gemalt. Es macht Spaß. Anfangs waren es Pillewürmer, dann Menschen, Tiere, Sonne, Wolken – wie bei allen Kindern. (…) Im Jahre 1950 malte ich zum ersten Mal in der Provence. Ich war begeistert vom herrlichen Licht, auch von der Stille des Tales. Meinen Vater zog es öfter nach Fontvielle, wo man mehr menschliches Leben malen konnte. Die Bauern hatten noch Maultierkarren, keine Traktoren, Monsieur und Madame Ballon kamen vom Feld mit einem Maultierkarren im Mondschein nach Hause gefahren. Sie wurden gezeichnet und in Holz geschnitten. Die Gemüsefelder dort waren umgeben von Zypressenhecken.

Bild: Eva Pankok, Provence

Eva Pankok – Erinnerungen

Landschaften

Meine Malerei zeigt meistens Landschaften. Auch diese sind überall in Gefahr. Ich zeige die Stellen, die noch schön sind, um deren Erhaltung es sich lohnt, zu leben. Auch die alten Cabanons in der Provence müssten unter Denkmalschutz gestellt werden. Bei jeder Reise, die ich dorthin unternehme, fehlt wieder ein altes Haus oder ein Cabanon oder eine alte Fabrik. Gebäude, die allein schon durch ihre Wände Schönheit ausstrahlen. Genauso geht es aber auch bei uns zu. Moore werden trockengelegt, Felder wie auf dem Reißbrett angelegt, Flüsse begradigt. Das darf nicht sein.

Bild: Eva Pankok, Provence

Eva Pankok – Erinnerungen

Paris

In Paris habe ich mich natürlich auch verliebt, denn ich war ein ganz normales Mädchen, aber ich bin der Ansicht, dass dies keinen etwas angeht. Es gibt auch manches, was man für sich behält. Böses habe ich mit Männern nie erlebt.

Auch in Paris bin ich nicht auf die Idee gekommen, eine Malschule oder Akademie zu besuchen. Das Leben war so aufregend und voller Begegnungen. So war ich einmal zum Montmartre gewandert. Dort saßen normalerweise immer viele Maler auf der Straße, meistens malten sie Kitsch für die Touristen, aber da ich mittags ankam, war keiner zu sehen. »Schön«, dachte ich, setzte mich hin und fing an zu malen. Als ich mich nach einiger Zeit umdrehte, führte ich eine große Malergesellschaft an. Nach und nach hatten sich alle hinter mir niedergelassen.

Bild: Eva Pankok, Provence

Eva Pankok – Erinnerungen

Mein Vater

Als wir von der Bretagne zurückkamen, war all seine Kraft zu Ende. Wir brachten ihn ins Krankenhaus. Meine Mutter saß ständig an seinem Bett, und als sie dort einmal erschöpft in einen Sessel eingeschlafen war, sagte er zu mir: »Du bist ein kluges Mädchen.« Damit wollte er mir wohl sagen: »Sorge für Mama.« Dass sich sein Werk durchsetzen würde, wusste er. Er war immer von seinem Werk überzeugt gewesen. (…) So starb mein Vater am 20. Oktober 1966.

Eva Pankok, Jahrgang 1925, lebt in Hünxe am Niederrhein und in der Provence. Alle hier zitierten Erinnerungen stammen aus dem Buch »Eva Pankok – mein Leben«, Droste Verlag, 2007.

Ihr Vater Otto Pankok, geboren 1893 in Mülheim an der Ruhr; gestorben 1966 in Wesel, arbeitete als Maler, Grafiker und Bildhauer. Er wird dem expressiven Realismus zugeordnet. Im dritten Reich erhielt er Malverbot, wurde verfolgt. Otto Pankoks Lebenswerk umfasst über 6000 Kohlezeichnungen, fast 800 Holzschnitte, über 800 Radierungen, ungefähr 500 Lithografien, Steinschnitte und Monotypien sowie zahlreiche Zeichnungen und Plastiken. Zu sehen ist ein Teil seiner Werke im Otto-Pankok-Museum in Hünxe. Mehr Infos unter: www.pankok.de